Die Geschichte der Aubergwarte

Frühere Aussichtswarten und Hochstände

Der  im Gebiet der Marktgemeinde Großgöttfritz, in der Katastralgemeinde Engelbrechts gelegene Auberg ist mit seinen 811 m Seehöhe die höchste Erhebung im Bereich des früheren Gerichtsbezirkes Zwettl.
Aubergwarte 1903 Die erste uns bekannte Aussichtswarte auf dem Auberg  wurde von der "Section Zwettl des Österreichischen Touristenclubs" und dem Gastwirt Lindner aus Großgöttfritz errichtet. (Abb. links). Besonders um den Bau verdient gemacht haben sich der damalige Pfarrer von Großgöttfritz, Anton Trajer, und der Bezirkshauptmann von Zwettl, Alexander Sauer-Csáky. Eröffnet wurde diese Warte am 16. September 1888. Es war ein solider vierbeiniger Holzturm mit einem "Türl" am Beginn der Treppe, der bald zu einem beliebten Ausflugsziel für die Bewohner der Umgebung, Touristen und zahlreiche Schulklassen wurde. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts musste sie jedoch wegen Baufälligkeit abgetragen werden.
Vermessungsturm 1963 Im Jahr 1937 wurde vom Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen auf dem Auberg ein Hochstand für vermessungstechnische Arbeiten mit einer Höhe von 22 m errichtet. Dieser Turm wurde im Zweiten Weltkrieg als Beobachtungsposten verwendet. Daneben befand sich ein Unterstand, dessen Fundamente heute noch sichtbar sind. Auch einige Männer aus Großgöttfritz und den umliegenden Dörfern waren hier zur Flugbeobachtung stationiert.
Am 11. Juli 1963 wurde an der gleichen Stelle wieder eine neuer Vermessungsturm aus Holz mit einer Höhe von 28 m gebaut. (Abb. rechts). Die Anlage bestand aus einer äußeren und einer inneren Konstruktion, in der Leitern hinaufführten.
Da diese Hochstände nicht als Aussichtswarten konzipiert waren, sondern nur Vermessungszwecken dienten, waren sie in Konstruktion und Ausführung eher einfach und ihre Haltbarkeit daher sehr begrenzt. Trotzdem gab es viele Mutige, die auf den schmalen Leitern hinaufstiegen, um den Blick über die Landschaft zu genießen.
Der letzte Vermessungsturm wurde Mitte der 70er-Jahre abgetragen. Seither war ein Rundblick vom Auberg aus nicht mehr möglich, da hohe Bäume die Sicht verwehrten.

 

Von der Idee zur Ausführung

Im Jahr 1988, hundert Jahre nach Eröffnung der ersten Aubergwarte, wurde vom Bildungs- und Heimatwerk Großgöttfritz unter der Leitung von VD Gudrun Löschenbrand der Entschluss gefasst, auf dem Auberg wieder einen Aussichtsturm zu errichten.
Der Gemeinderat von Großgöttfritz unter Bürgermeister Johann Hofbauer stimmte im Dezember 1990 diesem Vorhaben zu und übernahm die Bauherrschaft. Die Marktgemeinde Großgöttfritz beauftragte Architekt DI Thurn-Valsassina mit der Projektierung. Vom BHW Großgöttfritz wurde ein Arbeitskreis "Aubergwarte" gebildet. Als Leiter der Arbeitsgruppe übernahm OI Wolfgang Wernhart die Arbeit von der Planung bis zur Fertigstellung der Aussichtswarte. Unterstützt wurde er dabei von Karl Rauch, Alois Löschenbrand und Alois Redl.
Die Baukommissionierung der Aussichtswarte fand am 16. September 1991 statt; auf den Tag genau 103 Jahre nach der Eröffnung der ersten Warte. Den Bauauftrag erhielt die Firma Leyrer & Graf aus Zwettl.

Folienlithographie "Aubergwarte"Folienlithographie "Kirche mit Karner" Das BHW Großgöttfritz als Initiator übernahm einen Großteil der organisatorischen Arbeiten und brachte auch einen wesentlichen Anteil der Baukosten (gesamt € 125.000,-) auf. In einer Bausteinaktion wurden vom Zwettler Grafiker Karl Moser gestaltete Folienlithographien, "Aubergwarte" (Auflage 250 Stück) und "Kirche mit Karner" (500 Stück) (siehe Abb. links), an die Bevölkerung verkauft, die in der Mehrzahl sehr positiv und spendenfreudig reagierte. Durch das Anbringen von kleinen Werbetafeln auf der Warte konnte ebenfalls ein namhafter Betrag eingebracht werden. Außerdem stellte das BHW Großgöttfritz die Einnahmen aus Theateraufführungen, Flohmärkten und verschiedenen anderen Aktionen für den Bau der Warte zur Verfügung. Weiters trugen das Land Niederösterreich und die Marktgemeinde Großgöttfritz zur Finanzierung des Bauvorhabens bei.
Der tatsächliche Baubeginn war am 29. Juni 1992. Am 31. Juli wurde die wohl schwierigste Aufgabe im Baugeschehen bewältigt. Mit Hilfe von zwei großen Baggern und Seilen wurden die drei gewaltigen Lärchen aufgerichtet. Sie stammen von der Hoyos´schen Forstverwaltung Horn. In den darauffolgenden Wochen wurden die Stufen und Plattformen um die drei Säulen außen herum angesetzt. Die Zimmerer arbeiteten Etage um Etage aufwärts und setzten in der zweiten Septemberwoche das Dach auf. Am 14. September begann die Firma Zankl aus Engelbrechts mit den Spenglerarbeiten. Das Dach wurde mit Kupferblech überzogen, Dachrinnen und zwei Wasserspeier angebracht und eine ca. 1 m hohe Wetterfahne aufgesetzt. Auch die Blitzschutzanlage wurde von der Firma Zankl errichtet. Am 25. September 1992 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen.

      Materialtransport          Aufstellen der Lärchenstämme

      Montagearbeiten              Blick von oben (Ballon)

Seither sorgt das BHW Großgöttfritz für die Instandhaltung, wobei "Aubergwart" Karl Rauch beinahe täglich nach dem Rechten sieht.

Am 1. August 2007 konnten die Leiterin des Bildungs- und Heimatwerkes Großgöttfritz Gudrun Löschenbrand, Aubergwart Karl Rauch und Mitarbeiter Alois Redl die 100.000ste Besucherin auf der Aussichtswarte begrüßen. Frau Erika Kainrath aus dem Bezirk Horn machte mit Ehemann Ewald und Enkelin Julia einen Ausflug auf den Auberg. Sie kommt fast jedes Jahr einmal - früher mit den Kindern, jetzt eben mit den Enkelkindern. Vom BHW gab es nebst einem Geschenkskorb noch Auberg T-Shirts und die Talfahrt mit der Aubergbahn. Im Anschluss lud die Aubergwirtin zu einer Jause ein.

Im Jahr 2002 und auch 2012 wurde die Aussichtswarte vom "Aubergwart" total nach imprägniert. Es wurden jeweils ca. 500 Liter Imprägnierungsmittel aufgetragen.
Gesamtoberfläche ca. 1450 m², alleine die Oberfläche der 123 Stufen ohne der 7 Podeststufen haben knapp 54 m².
Die Verschraubungen (ca. 590) wurden ebenfalls nachgezogen.

Streichen des Geländers

Aufstieg zur Aussenseite

Schraubverbindungen nachziehen

Schwer zugängliche Stellen nachimprägnieren

Schraubverbindungen nachziehen

Leiter für Aussenbereich

Resümee

Mit der Fertigstellung der Aubergwarte wurde ein Werk vollendet, das nur durch den Einsatz und die Unterstützung vieler Leute zustande kommen konnte und auf das alle, die in irgendeiner Weise zum Gelingen beigetragen haben, stolz sein dürfen. Oft wurde nach dem "Weshalb" und "Wozu" gefragt. Darauf gibt es viele Antworten. Da war einerseits die Absicht, Gewesenes wieder zu erneuern, die Schönheit unserer Landschaft hervorzuheben und das Blickfeld über unsere engere Heimat hinaus zu öffnen. Andererseits war es auch das Ziel, einen neuen, vielleicht nutzbringenden Akzent in unserer Gemeinde zu setzen. Auf alle Fälle "wollten wir nicht untätig sein, sondern etwas leisten, etwas bewirken ", denn

"Viele kleine Leute,
die in vielen kleinen Orten
viele kleine Dinge tun,
verändern das Leben auf der Welt!"